Charity


Tue Gutes und sprich darüber

In Kiwanis-Kreisen wird oft bedauert, dass man nicht die Publizität und den Bekanntheitsgrad der anderen beiden großen Service Clubs genießt. Nicht nur bei den Mitgliederzahlen sondern auch bei der Publicity hat Kiwanis Nachholbedarf.

Erfolgsquote 100 %

Mit unserem Charity-Projekt „Endspurt“ (abschlussgefährdeten Hauptschülern mit Migrantenhintergrund zum Schulabschluss zu verhelfen), das der Club Mannheim-Kurpfalz nun schon seit 2004 betreibt, konnten wir einen Volltreffer in der Charity-Landschaft der Stadt Mannheim landen. 51% der Mannheimer Hauptschüler haben einen sog. Migrantenhintergrund bei mindestens einem Elternteil. Viele dieser Familien sind im Problemstadtteil Neckarstadt konzentriert und die Schulen haben ihre liebe Not, die Schüler zum Schulabschluss zu bringen. Ohne ein Hauptschul-Abschlusszeugnis hat ein junger Mensch eigentlich keine Aussicht auf eine Lehrstelle und somit auch keine vernünftige Lebensperspektive. In diese Bedarfslücke sind wir mit unserem Projekt vor vier Jahren hinein gestoßen. Mit Hilfe von Studenten der Sozialwissenschaften der Universität Mannheim boten wir in einer Brennpunktschule zweimal je zwei Stunden pro Woche Nachhilfe in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch an. Die Schüler wurden durch die Lehrer der Abschlussklassen ausgewählt. Die Teilnahme am Tutorium ist freiwillig und kostenlos. Die Studenten bezahlten wir aus Charity Einnahmen. Die studentischen Mentoren arbeiten eng mit den Klassenlehrern zusammen, um den Lehrstoff zu wiederholen, der in den Prüfungen abgefragt wird. Nicht nur stiegen die schulischen Leistungen und gingen die Noten der Endspurtler dramatisch nach oben, sondern auch ihr Selbstvertrauen wuchs. Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg. In den vergangenen Jahren konnten an der Humboldtschule 100% der Schüler ihr Abschlusszeugnis in Empfang nehmen.

Fine-Tuning des Projekts

Von Jahr zu Jahr fragen wir uns, wie wir unser Projekt noch effektiver machen können. So haben wir im vergangenen Jahr einen weiteren Schwerpunkt auf die Lehrstellensuche gelegt, denn ein Abschluss ohne Lehrstelle ist ein Pyrrhussieg. U.a. veranstalteten wir eine Lehrstellenbörse. Das Resultat: zur Schulabschlussfeier im Juli 2007 hatten 18 Schüler einen unterschriebenen Lehrvertrag in der Tasche. Im Vorjahr waren es lediglich deren zwei. In diesem Jahr haben wir mit der Schule eine Computer-Kompetenz Zertifizierung eingeführt, die auch bei der Lehrstellensuche hilfreich sein kann. Zur Schulabschlussfeier mit Zeugnisausgabe übergibt Kiwanis jedem Endspurtler ein Kiwanis Zertifikat, das die erfolgreiche Teilnahme an einem Tutorium in den obengenannten Kernfächern bescheinigt. Die Mentoren erhalten ebenfalls ein von uns ausgestelltes Zertifikat, was ihnen wiederum bei der späteren Stellensuche nützlich sein kann.

Publizität, Ehrungen und neue Mitglieder folgten

Die regionale Zeitung, Mannheimer Morgen, begleitet unser erfolgreiches Programm mit Aufmerksamkeit. Es dürften im Laufe der Jahre ca. zwanzig Artikel darüber erschienen sein.
Sämtliche Service Clubs der Stadt zusammen erhielten zusammen nicht so viele Berichte, wie unser Club. Kiwanis ist in Mannheim kein Fremdwort mehr. Die Clubfreunde selbst sind in das Projekt mit eingebunden und nehmen an der Startschuss-Veranstaltung sowie der Verleihung der Kiwanis Urkunden teil. Sie sprechen auch voller Stolz mit Freunden und Bekannten über das Charity Projekt, so u.a. ein Clubmitglied das den neuen Ministerpräsidenten Oettinger auf einer Wahlkampfveranstaltung kennerlernte.
Er zeigte sich sehr interessiert an dem Projekt und forderte Unterlagen an. Bei der Mitgliederwerbung für den Club hat sich die inzwischen stadtbekannte Aktion ebenfalls sehr geholfen und wir konnten den Club durch neue, junge Mitglieder erheblich verjüngen.

Das unser Projekt nicht nur regional, sondern auch überregional Aufmerksamkeit auf sich lenkt hat sich in zwei Auszeichnungen gezeigt, die wir im November und Dezember erhalten haben. So bewarben wir uns beim Landeswettbewerb „Baden Württemberg Ehrenamt—Echt gut“ und wurden von einer Fachjury in der Kategorie Soziales Leben unter die besten Zehn Projekte gewählt. Als solches nahmen wir an einer Online-Abstimmung teil, einer recht willkürlichen Form die ersten drei Sieger zu ermitteln. Da hat natürlich eine Kirchengemeinde, deren Messdiener in 72 Stunden ein Haus renovierten die Nase vorne, denn da konnte der Pfarrer die ganze Gemeinde zur Abstimmung aufrufen. Es sollte eine Nachricht an alle Clubsekretäre gehen, die Kiwanier in Deutschland zu bitten, für unser Projekt zu stimmen. Damit hätten wir wahrscheinlich vorne gelegen und einen Anlass gehabt, den Namen Kiwanis überregional in die Medien zu bringen. Aber dazu kam es leider nicht. Eine Urkunde haben wir dennoch in einem Festakt im Stuttgarter Schloss in Empfang nehmen dürfen, was uns wiederum einen Artikel in der örtlichen Zeitung einbrachte. Die schon erwähnte freundliche Begleitung des örtlichen Printmediums hat dann dazu geführt, dass die Stadt Mannheim uns für „Endspurt“ mit einer Urkunde und einer Geldzuwendung ehrte.

 

Es gibt nur Gewinner

Als Initiator und Leiter unseres Charity Projektes betone ich immer wieder, dass es bei Endspurt nur Gewinner gibt: die Schüler, die Mentoren, die Schule, der Klub, die Gesellschaft. Die größten Gewinner aber sind jedenfalls die Schüler mit Migrantenhintergrund, die unser kleiner Kiwanis-Club zu einer besseren Lebenschance und besserer Integration verholfen hat. Der „Mannheimer Morgen“ titelte in einem seiner Artikel: „Das Kiwanis-Projekt Endspurt hat Vorbildchrakter.“ Und darauf sind wir stolz.